Der Nudelfresser nimmt den Kampf gegen seine Bestimmung zum Teigwarenvernichter auf. Seine Kontrahenten: Derdiedas Andere nebenan, die Wiederkehr des ewig Gleichen, die Nudel an sich, vielleicht auch Gott, vor allem aber der Stücktext und sein Verfasser. Seine Verbündeten: einige Flaschen Ketchup und das Publikum, das auf eine Tour de Force durch sämtliche Theatergenres mitgenommen wird. Egal ob Liebesromanze, Groteske, existenzialistische Nabelschau oder selbstreflexives Metatheater: Wem das Nudelwasser bis zum Hals steht, ist jedes Mittel recht, um das große Fressen unbeschadet zu bestehen. Pasta!
Pressestimmen
»Im Literaturhaus Graz
Veredelung des Unsinns
„Der Nudelfresser" von Wilfried Happel, neueste Produktion des Theater Mundwerk, hatte Premiere im Literaturhaus Graz. Unter Thomas Sobotkas Regie legt Martin Horn in dem Ein-Mann-Stück eine vor Präsenz strotzende Glanzleistung hin. Von den Titel gebenden Nudeln wird vorzugsweise vom gewienerten Theaterboden genascht, mehr Bedeutung erhält das zugereichte Ketchup, welches, zum Leid eines nach Sinnes-Stimulierung lechzenden Protagonisten zur Neige geht, mitunter als Theaterblut und auf nacktem Bauch aufgemalter Smiley herhalten muss. Überspannt bis zum Irrsinn, kraftstrotzend bis zur Atemlosigkeit füllt Horn 90 unterhaltsame Minuten, sein Monolog wider den Autor, seine Reflexionen und Nudel-Expertisen, das Aufbäumen der Figur gegen ihr nudelfressendes Schicksal, verlaufen nicht ohne Brüche, aber ausgesprochen geistreich und unflätig. Das ist der Beweis, dass sich inhaltlicher Unsinn zu genialen Meta-Betrachtungen und logischen Umkehrschüben veredeln lässt.
Kronen Zeitung
»Mit weitaus weniger Budget muss das Theater Mundwerk auskommen, das seine neue Produktion im Literaturhaus präsentiert. „Der Nudelfresser" von Wilfried Happel (bis 17.2.), ein absurder Monolog über das Theater an sich, wird in diesem Fall zu einem furiosen Solo für Martin Horn. Horn, einer der besten Schauspieler der Stadt, läuft zu Hochform auf, führt das Publikum und sich selbst ständig auf die falsche Fährte und schlägt dann doch wieder einen Haken. In unzähligen Metamorphosen erzählt er dabei von seinem Leiden als von einer Teigwarenobsession geplagten Figur in ihrem Widerstreit mit dem unsichtbaren Autor. Kämpft in konzentriertestem Einsatz mit Ketchup, Text, Publikum, der Kunst, sich selbst. Dabei hat Regisseur Thomas Sobotka den genialen Einfall, Horn nebenbei auch noch ein ganz wunderbares Bühnenbild (Christina Weber) aufbauen zu lassen, was den Effekt des Spieles im Spiel noch verstärkt. Ein absolutes Highlight der Saison!«
Falter
»Verwickelte Groteske mit Spaghetti
GRAZ. Er will nicht ins Sprachkorsett „Der Autor und sein Geschöpf" gezwängt werden, hasst Vieldeutigkeit, Endzeit- und Psycho-Kotz-Stücke und die Rolle als „Der Nudelfresser", mit der er wie in einer Endlosschleife verstrickt ist. Meisterlich reizt Martin Horn im Monolog von Wilfried Happel sämtliche Schau-Spielarten aus und setzt auf dem Spaghetti-Schlachtfeld im Literaturhaus der Farce auf schöne Künste und gleichförmiges Sein, auf Rolle, Autor und Ego ein goldenes Narrenkapperl auf. Wie in Godot bleibt der hassgeliebte Andere stumm und unsichtbar - vergebliches Warten auf Erlösung. Unter Thomas Sobotka sorgt das theater mundwerk mit der irrwitzig vertrackten Groteske für Irritation und Faszination.«
Kleine Zeitung